Form und Sinn

Das Thema Integration von Netzwerk- und Systemtheorie ist nach wie vor aktuell (bei mir) und hier insbesondere die Verknüpfung mit der Formtheorie. In diesem Artikel beziehe ich mich vor allem auf die Autoren Niklas Luhmann, Dirk Baecker und George Spencer Brown.

Wenn sich der Begriff der strukturellen Kopplung anbietet, die Netzwerk- und Systemperspektive miteinander zu kombinieren, da durch strukturelle Kopplung die wechselseitige Abhängigkeit und Möglichkeit der Determination zweier Systeme oder von System und Umwelt bezeichnet wird, ist der Sprung von der Systemtheorie zur Formtheorie nicht mehr weit: Denn, so Baecker (2011, S.316), die „Formtheorie korrigiert Begriffe selbstrerentiell geschlossener Teilsysteme der Gesellschaft (…) zugunsten eines Systembegriffs, der operationale Geschlossenheit und enacted environments übergeift (…)“. Cum grano salis könnte man sagen, dass der Begriff der strukturellen Kopplung ähnliches formuliert.

Netzwerke erscheinen dann als „Eigenfunktionen komplexer, adaptiver Systeme“ (ebd.), d.h. Komplexität wird mit Rekursivität verknüpft, sodass Eigenwerte beobachtbar werden, mit deren Hilfe Phänomene beschrieben werden können.

Interessant erscheint mir nun an Baeckers aktuellen Arbeiten, dass komplexe Phänomene (immer öfter) in den drei Sinndimensionen (Sach-, Sozial- und Zeitdimension) analysiert werden. Dadurch entstehen z.B. Formen, die jeweils einen Eigenwert einer dieser Dimensionen beschreiben, wie z.B. im Aufsatz „Schneller rechnen, langsamer entscheiden“ (2011). Hier beschreibt Baecker die Organisation als garbage can (Sachdimension), deren Form die Identität im Kontext der Kontrolle ist.

Die Form der systematischen Unperfektion von Organisationen (Sozialdimension) wird als Willkür im Kontext von Herrschaft beschrieben.

Und schließlich in der Zeitdimenstion wird die Form des Risikos als Tradition im Kontext von Innovation beschrieben.

Die Organisation wird also mit Hilfe dreier Formnotationen beschrieben, jeweils in ihrer Sach-, Sozial- und Zeitdimension des Sinns.

Eine andere Möglichkeit, die Sinndimensionen mit Hilfe der Formtheorie zu analysieren, ist, alle Aspekte der Sinndimensionen in einer Form darzustellen, wie Baecker es am Prozess des Organisierens (2009) darstellt.

Die Hierarchie bildet die Sozialdimension, Netzwerk die Sachdimension und Evolution die Zeitdimenstion des Prozess des Organisierens ab.

Für mich stellt sich die Frage, ob dies generell ein gutes heuristisches Schema ist, um mit der Formtheorie zu arbeiten. Konkret auf meine aktuelle Arbeit am Thema Nachhaltigkeit und Nutzerorientierung in der vernetzten Versorgung bezogen, könnte man dann überlegen, ob die Form von Nachhaltigkeit mit Hilfe empirisch ausgewerteten Materials in den drei Sinndimensionen als Formnotation dargestellt werden kann, um (so Baecker) die Eigenwerte des beobachteten Phänomens (Nachhaltigkeit) auf einen Blick auf den Punkt zu bringen…

Referenzen

  • Baecker D (2011) Organisation und Störung. Aufsätze. Frankfurt/Main, Suhrkamp
  • Baecker D (2009) Management für Fortgeschrittene. Wer Rekursivität sagt, muss auch Oszillation sagen. In: Revue für postheroisches Management, Heft 3. Berlin: MZW, 104-107

Vom Zettel zum Text

Gelegentlich wird der Zettelkasten als Literaturverwaltung beschrieben. Das ist eigentlich genau nicht der Fall, denn vernünftig Literatur verwalten wie bspw. mit BibDesk oder JabRef geht mit dem Zettelkasten nicht. Vielmehr soll der Zettelkasten dazu dienen, das Erstellen und Vorbereiten von Texten zu erleichtern. Dazu jedoch bietet es sich an, parallel zum Zettekasten eine Literaturverwaltung zu verwenden. Wie das ganze dann nachher verwendet werden kann, soll in diesem Beitrag kurz gezeigt werden…

1. Etwas lesen
Zuerst müssen Zettel erstellt, d.h. also etwas gelesen werden. Das, was gelesen wird, sollte erst einmal in das Literaturverwaltungsprogramm der Wahl (BibDesk, JabRef, Citavi, Bibliographix, Zotero…) eingetragen werden. Damit erspart man sich später unter Umständen das mühsame Erstellen von Literaturverzeichnissen. Anschließend wird gelesen und exzerpiert. Idealerweise nicht pauschal per Copy & Paste, auch keine ewig langen Zettel. Zu empfehlen ist eine Arbeitsweise, wie ich sie hier beschrieben habe.

2. Etwas eingeben – Zettel erstellen
Das Gelesene kann nun im Zettelkasten verwertet werden. Am Anfang ist das Anlegen neuer Zettel vielleicht noch einfach, mit der Zeit wird der Umfang an Literatur und Schlagwörtern immer größer und die Zuordnung / Verschlagwortung schwieriger. Dabei unterstützt der Zettelkasten jedoch (Grundlegendes siehe hier).

3. Literaturangaben im Zettelkasten
Bereits während der Neueingabe von Zetteln ist es empfehlenswert, so genannte Literaturfußnoten zu erstellen. Dazu sollte die zuvor in der Literaturverwaltung gespeicherte Literatur in den Zettelkasten importiert werden – man kann aber auch später Literaturangaben im Zettelkasten mit den entsprechenden Einträgen aus einem Literaturverwaltungsprogramm verknüpfen (über das Zuweisen von bibkeys).

4. Textproduktion: Gliederung
Angelehnt an (salopp beschrieben) Luhmanns Vorgehen, Zettel auf dem Schreibtisch auszubreiten, anzuordnen und zu einem zusammenhängenden Text zusammen zu stellen, gibt es im Zettelkasten die so genannte Schreibtischfunktion. Diese setzt voraus, das bereits einige Zettel im Zettelkasten eingetragen wurden.

Welche Zettel nun auf dem Schreibtisch landen, wie man mit welchen Such- und Vernetzungsmöglichkeiten des Zettelkastens welche Zettel auswählt, all das kann an dieser Stelle aus Platzmangel nicht näher beschrieben werden. Hier muss jeder selbst seine ideale Arbeitsweise finden, als Lesehinweis ist dieser Beitrag zu empfehlen.

Im Schreibtischfenster kann man nun das Grundgerüst einer Gliederung erstellen:

Die Gliederung kann beliebig viele Ebenen und Unterebenen enthalten. Anschließend geht es darum die Unterpunkte mit Zetteln, das Textgerüst also mit Inhalten zu füllen.

Das Ergebnis ist ein Fließttext, der als Grundgerüst für den geplanten Textentwurf dient, inklusive Literaturfußnoten (in der Grafik unten blau) und Literaturliste:

5. Export des Textentwurfs zur weiteren Verarbeitung
Über die Exportfunktion kann der so erstellte Textentwurf in verschiedene Formate exportiert und weiter bearbeitet werden. Dabei kann bei Bedarf aus der verwendeten Literatur eine separate BibTex-Datei erstellt werden, um damit z.B. ein Literaturverzeichnis für diesen Schreibtisch zu erstellen:

Das Erstellen der BibTex-Datei setzt jedoch voraus, dass die Literaturangaben, die in den Zetteln, die auf dem Schreibtisch liegen, verwendet wurden, alle über bibkeys mit einer BibTex-Datei verknüpft sind (siehe oben)!

Noch bequemer ist es dann, den Schreibtisch direkt ins LaTex-Format zu exportieren und dabei die verwendete Literatur als separate BibTex-Datei zu exportieren. Mit Programmen wie Lyx kann die vom Zettelkasten erstellte LaTex-Datei geöffnet und per Mausklick direkt als PDF gespeichert werden – Inhaltsverzeichnis, korrekte Zitation sowie Literaturverzeichnis werden automatisch erstellt. Auch kann man mit Lyx die Dateien per Mausklick direkt im OpenDocument-Format abspeichern und mit OpenOffice oder LibreOffice weiter bearbeiten. Auch hier sind bereits Literaturverweise und -verzeichnis automatisch erstellt.

Durch einfaches Ändern von Vorlagen oder Zitationsstilen in der LaTex-Datei kann man also eine Textgrundlage schaffen, die schon (nahezu) optimal an Formatvorgaben und Zitationsstil angepasst ist.

Beispielvideo

Leseempfehlungen

Zettelkasten jetzt unter Open Source Lizenz!

Derzeit arbeite ich an Version 3.1.6 des Zettelkastens. Eine der wesentlichen Änderungen dieser Version ist die neue Lizenz: Der Zettelkasten wird ab Version 3.1.6 unter der GNU GPL V3 Lizenz veröffentlicht.

Da der Zettelkasten mit NetBeans erstellt wird, bietet es sich an, auf die integrierte Team-Server Funktion zurückzugreifen, und in diesem Zusammenhang java.net als Hosting-Platform zu verwenden.

Der Source-Code ist bereits verfügbar, das Projekt ist unter http://java.net/projects/zettelkasten/ zu finden. Da derzeit die Struktur von java.net überarbeitet wird (kenai.com wird integriert), sind noch nicht alle Administrator-Funktionen verfügbar. So ist das Projekt derzeit nur „privat“, d.h. wer Interesse am Source oder gar an der Mitwirkung und Weiterentwicklung des Zettelkastens hat muss sich in einem ersten Schritt bei java.net (kostenlos) registrieren und mir anschließend eine E-Mail mit dem Nutzernamen schicken. Ich kann dann, als Projekt-Admin, neue Nutzer via Benutzernamen hinzufügen.

Denkbar sind verschiedene Formen der Mitwirkung, z.B. ohne größere Programmierkenntnisse:

  • Übersetzung der Sprachdateien
  • Sourcecode-Prüfung auf Verständlichkeit (sind alle Methoden ausreichend kommentiert, steigt man als „Projektneuling“ durch den Sourcecode durch…)
  • Erweiterung und Ergänzung der Kommentierung und Dokumentation des Sourcecodes und der Bibliotheken (wegen siehe voriger Punkt)

oder aber mit Interesse am Programmieren:

  • Sourcecode überarbeiten / optimieren
  • Implementation neuer Funktionen
  • Beseitigung von Fehlern
  • Schreiben eigener kleiner Bibliotheken (auch außerhalb des ZKN-Projekts), die sich dann in den ZKN integrieren lassen bzw. vom ZKN genutzt werden können

2010 in review – a healthy blog!

The stats helper monkeys at WordPress.com mulled over how this blog did in 2010, and here’s a high level summary of its overall blog health:

Healthy blog!

The Blog-Health-o-Meter™ reads This blog is doing awesome!.

Crunchy numbers

Featured image

A helper monkey made this abstract painting, inspired by your stats.

A Boeing 747-400 passenger jet can hold 416 passengers. This blog was viewed about 2,000 times in 2010. That’s about 5 full 747s.

In 2010, there were 6 new posts, growing the total archive of this blog to 90 posts.

The busiest day of the year was May 23rd with 46 views. The most popular post that day was Was ist was?.

Where did they come from?

The top referring sites in 2010 were strengejacke.de, twitter.com, differentia.wordpress.com, seltsame-schleifen.com, and de.wordpress.com.

Some visitors came searching, mostly for doppelte kontingenz, stichprobengröße berechnen, unentscheidbare entscheidungen, fremdreferenz, and netzwerktheorie systemtheorie.

Attractions in 2010

These are the posts and pages that got the most views in 2010.

1

Was ist was? November 2009
1 comment

2

Form der Kommunikation September 2007
5 comments

3

Systemtheorie und Netzwerktheorie November 2007
2 comments

4

Soziale Entfremdung December 2006
12 comments

5

Gesetze der Form September 2006
17 comments

Das Catjects-Projekt

Dies soll kein ausführlicher Beitrag werden, der sich inhaltlich vertiefend mit einem Thema beschäftigt, sondern eher eine Art Material- und Ideensammlung. Es geht um Dirk Baeckers (mehr oder weniger) aktuelles Thema der Catjects.

Dabei handelt es sich um den Versuch, ich zitiere:

The general ideas of this project are to advance the theory of social systems developed by Talcott Parsons and Niklas Luhmann toward a theory of social form, to integrate a mathematics of form following George Spencer-Brown into a theory of social form, and then to review a theory of calculating or computing forms or codes with respect to contemporary attempts to understand, algorithmitize, and realize complex, embodied, and embedded systems.

Es geht also um die Idee, die Systemtheorie weiterzuentwickeln in dem Sinne, dass der Form-Begriff Spencer Browns stärker und anders als bisher in die Systemtheorie integriert wird. Was dann wiederum dazu führen würde, dass „Gesellschaft“ das einzige autopoietische System wäre, während alles andere innerhalb der Gesellschaft nicht mehr als autopoietisch organisiertes Subsystem (Funktionssystem, Organisation, Interaktion), sondern als Formen der Kommunikation auftritt.

Zu erwähnen seien hier auch noch mal ein Blog sowie ein Blogbeitrag:

Zettelkasten bald Open Source?

Die Planung für die nächste Zettelkasten-Version steht fest. Die Arbeit daran wurde bereits aufgenommen. Zwei wesentliche Änderungen wird es in der nächsten Version (3.2) geben:

  • Zum einen eine neue Eingabemaske, in der die Text- und Absatzformatierungen direkt sichtbar sind und nicht durch die so genannten „Format-Tags“ dargestellt werden. Das Eingeben neuer Zettel wird dadurch deutlich komfortabler, in etwa vergleichbar wie man es von Textverarbeitungsprogrammen kennt (siehe dazu auch die Entwicklungswünsche hier und hier.
  • Zum anderen wird es eine Änderung der Lizenz geben. Bisher wird der Zettelkasten als Freeware angeboten. Ab Version 3.2 wird der Zettelkasten unter einer Open Source Lizenz veröffentlich, voraussichtlich unter der GNU GPL V3.

Für die praktische Anwendung macht dies keinen Unterschied, das Programm wird weiterhin kostenlos unter http://zettelkasten.danielluedecke.de verfügbar sein.

Der Zettelkasten wird als Open Source auf kenai.com verwaltet. Wer Interesse an der Mitarbeit hat, kann sich gerne bei mir melden. Die Möglichkeiten der Unterstützung sind vielfältig, angefangen bei Fehlersuchen und -melden über Kommentar- und Übersetzungsarbeiten bis hin zur aktiven Programmierung am Zettelkasten. Genauere Informationen gibt es in der Wiki. Da der Zettelkasten mit NetBeans entwickelt wurde, empfiehlt es sich (und ich würde es begrüßen), bei der aktiven Mitentwicklung des Programms ebenfalls diese IDE zu verwenden.

Update auf Zettelkasten 3.1.1

Zwei Wochen nach Erscheinen der Version 3.1 liegt jetzt ein Update des Zettelkastens für Windows, Macintosh und Linux vor. Neben kleineren Fehlerbeseitigungen sind zwei wesentliche Neuerungen hinzugekommen:

Zum einen wird die Relevanz von Verbindungen zwischen Zetteln angezeigt, sozusagen die Vernetzungsstärke von Zetteln.

Zum anderen achtet das Programm jetzt noch mehr auf Schlagwörter, für die Synonyme eingetragen wurden (siehe dazu auch Videoanleitungen zur Synonymfunktion). Werden Schlagwörter, die als Synonyme eingetragen sind, umbenannt, so können jetzt dazugehörige Synonyme ebenfalls automatisch mit umbenannt werden.

Generell empfiehlt es sich bei der Arbeit mit dem Zettelkasten, die Synonym-Funktion zu verwenden, also Synonyme für Schlagwörter anzulegen. Zusammen mit der Schlagwort-Vorschlag-Funktion wird die Arbeit insbesondere mit zunehmender Komplexität des Zettelkastens deutlich vereinfacht, weil die Verschlagwortung wesentlich effektiver handzuhaben ist.

Zum Download…

Zettelkasten 3.1 erschienen

Der Zettelkasten ist ein Programm zum Verwalten wichtiger Textstellen, Exzerpte und Zitate. Darüber hinaus jedoch bietet er die Möglichkeit, die anschließende Verwendung dieser Textsammlung zwecks Textproduktion vorzunehmen. Dies wird durch den Zettelkasten erheblich vereinfacht.

Das Programm ist kostenlos sowohl für berufliche als auch private Zwecke und kann unter Windows (Vista, XP und andere), Mac OS X sowie diversen Linux-Betriebssystemen verwendet werden. Der Zettelkasten ist in den Sprachen Deutsch, Englisch und Spanisch zur verfügbar.

Neu in der Version 3.1 ist die umfassende Erweiterung der so genannten Schreibtisch-Funktion. Eine Videoanleitung zu dieser Funktion gibt es hier.

Das Programm kann hier heruntergeladen werden: http://zettelkasten.danielluedecke.de

Medical Free and Open Source Software

Auf dieser Seite gibt es eine Sammlung an Open Source Software, die im (medizinisch-)wissenschaftlichen Bereich oder ganz allgemein im Gesundheitswesen zum Einsatz kommen können.

Gesucht werden kann einerseits nach Art der Software (Statistik, Krankenhausmanagement) oder nach Funktion für die oder Einsatzbereich in der Einrichtung (im Krankenhaus, Arztpraxen…).

Kalkül des Sozialen

Habe gerade eben entdeckt, dass Dirk Baecker ein Blog namens Social Calculus betreibt. Ich zitiere mal aus seinem ersten Beitrag (oder genauer: ich zitiere ihn ganz):

This is an invitation to social calculus. If you don’t mind, please start with the assumption of contradiction, not with the assumption of statement. You don’t lose anything because a contradiction is a statement as well. Yet it combines positive and negative value.

For any social calculus this seems more than appropriate.

Viel Spaß!