Gesellschaft der Computer

In einem älteren Beitrag habe ich beschrieben, wie man Gesellschaft als soziales System, das ausschließlich aus Kommunikation besteht, auffassen kann. Wenn man davon ausgeht, dass Kommunikation die grundlegende Operation ist, lässt sich bereits erahnen, welche Bedeutung Verbeitungsmedien wie Schrift, Buchdruck und neuerdings eben Computer für die Entwicklung gesellschaftlicher und sozialer Strukturen haben.

Vor der Erfindung des Buchdrucks war Interaktion oder Kommunikation meist nur unter Anwesenden möglich. Erst durch die Möglichkeit, Texte zu verfassen und zu vervielfältigen(!), erreichte die Kommunikation auch „Zuhörer“ an anderen Orten und zu anderen Zeiten. Einen ähnlichen Umbruch im gesellschaftlichen Strukturwandel darf man durch die Erfindung und massenhafte Verbreitung des Computers vermuten.

Interessant dabei sind neben dem so genannten Web 2.0 Mitmach-Internet auch Projekte wie Second Life. Nun bin ich nicht Mitglied in dieser Gemeinschaft, aber Andreas, Betreiber des Weblogs Laws Of Form, scheint sich dort bereits ganz wohl zu fühlen.

Interessant finde ich dieses Projekt insbesondere vor dem Hintergrund der Kommunikationsmöglichkeiten. Denn die Interaktion unter Anwesenden ist auf einmal wieder möglich, ohne dabei den früheren örtlichen und zeitlichen Restriktionen ausgesetzt zu sein.

Nun denn, willkommen in der Gesellschaft der Computer

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12 Kommentare zu „Gesellschaft der Computer

  1. Hallo Daniel,
    ich denk mal das Andreas einfach von dem Potenzial überzeugt ist.
    In „Die Realität der Massenmedien“ schreibt Luhmann (Seite 33):
    Für die Ausdifferenzierung eines Systems der Massenmedien dürfte die ausschlaggebende Errungenschaft in der Erfindung von Verbreitungstechnologien gelegen haben, die eine Interaktion unter Anwesenden nicht nur einsparen, sondern für die eigenen Kommunikationen der Massenmedien wirksam ausschließen. Schrift allein hatte diesen Effekt noch nicht, denn sie war zu nächst nur als Gedächtnisstütze für primär orale Kommunikation konzipiert worden. Erst der Buchdruck multipliziert das Schriftgut so stark, daß eine mündliche Interaktion ALLER an Kommunikation Beteiligten wirksam und sichtbar ausgeschlossen wird. Die Abnehmer machen sich allenfalls quantitativ bemerkbar: durch Absatzzahlen, durch Einschaltquoten, aber nicht entgegenwirkend. Das Quantum ihrer Präsenz kann bezeichnet werden, wird aber nicht über Kommunikation rückvermittelt.

    Nun denn, das schrieb er wohl so um 1995. Viel weiter bin ich in dem Buch alledings noch nicht gekommen…bin mal gespannt was ich noch über die Massenmedien von Luhmann erfahren kann.
    Gibt es von „Gesellschaft der Computer“ auch eine deutsche Version?
    Für mich ist der Computer ein Wekzeug, und noch habe ich das Bewußtsein das ICH kommuniziere…
    Liebe Grüße

  2. Es ist einfach fasziniered zu sehen, was durch eine „körperliche“ Entkopplung möglich ist. Gleichzeitig sind die Analogien aus dem Film „Matrix“ und dem Buch „Otherland“ faszinierend. Selbstverständlich ist hier Kommunikation nicht auf einem Level zu beobachten wie im NLP, aber es gibt interessante andere psychologische und soziale Beobachtungsfelder, z.B.:

    (1) Ausdruck einer Person durch die Form seines Avatars (Kleidung etc.). Sicherlich probieren hier Menschen Dinge im virtuellen Leben aus, die Sie sich nicht trauen im echten Leben auszudrücken. Dies ist aus psychologischen Gesichtspunkt sicherlich interessant. Hier ist zu fragen, ob dies kybernetisch auf das reale Leben zurückkoppeln kann ?

    (2) Soziales Verhalten. Hier könnten Studien durchgeführt werden. So ist beobachtbar, das nur an hochfrequentierten Plätzen Geschäft gemacht werden kann. Interessant ist, das, sowei ich das derzeit beobachten und beurteilen kann, „Party-Places“ hochfrequentierte Orte in SL sind.

    (3) Interessant für Dich dürfte auch sein, ob die Bewegung der virtuellen Welten eine Option für die nächste „Altersgeneration“ ist. Wenn ich heute alte Menschen „vor sich hinvegetieren“ sehe, ist die Frage ob in hohem Alter, wenn der Körper „streikt“, eine gewisse geistige und virtuell-körperliche Interaktivität sinnvoll ist.

  3. Gibt es von “Gesellschaft der Computer” auch eine deutsche Version? Da müsstest du Dirk Baecker fragen, aber ich vermute eher nicht. Es gab mal ein Fernsehinterview mit Dirk Baecker, „Niklas Luhmann in der Gesellschaft der Computer“, in ten to eleven oder wie das heißt, meine ich. Aber alternativ kannst du auch die dort angesprochenen Passagen in Gesellschaft der Gesellschaft nachlesen, auch Dirk Baecker hat etwas über den Einfluss von Computern in Organisationen geschrieben (Organisation als System). Und auf der Seite von Martin Hafen findest du Texte von Peter Fuchs zum Thema WWW.

  4. (3) Interessant für Dich dürfte auch sein, ob die Bewegung der virtuellen Welten eine Option für die nächste “Altersgeneration” ist. Wenn ich heute alte Menschen “vor sich hinvegetieren” sehe, ist die Frage ob in hohem Alter, wenn der Körper “streikt”, eine gewisse geistige und virtuell-körperliche Interaktivität sinnvoll ist. Das kann in der Tat eine spannende Frage werden. Vielleicht komme ich mal dazu, in den Diskussionrunden des Hamburger Luhmannkreises dieses Thema näher zu erörtern…

  5. Als Psychologie-Interessierter habe ich schon einige „Feldversuche“ angefangen. Kann Andreas nur zustimmen, hier kann man einige Dinge beobachten. Denkbar wäre z.B. , das sich User nach und nach der in SL aufgebauten aüßeren Erscheinung im RL anpassen.

  6. Gibt es von “Gesellschaft der Computer” auch eine deutsche Version?
    Peinlich für uns beide, aber in der oben verlinkten PDF-Datei steht in der ersten Fußnote: The paper is the translation of the German paper “Niklas Luhmann in der Gesellschaft der Computer.” Merkur 55, no. 7 (2001), pp. 597-609, reprinted in: Dirk Baecker, Wozu Soziologie? Berlin: Kulturverlag Kadmos, 2004, pp. 125-149. Paper translated by Stan Jones and Anja Welle.
    Tja, und ich besitze Wozu Soziologie auch noch, hatte dies aber gar nicht mehr auf dem Schirm.

  7. Also wenn es mir Peinlich wäre, wenn ich mal was falsch versteh oder was nicht seh, dann düfte ich wohl nicht an diesen dynamischen Konversationen teilnehmen, (ich frag mich immer noch wie man sich selbst determinieren kann…). Deshalb trau ich mich jetzt auch mal zu fragen wie man im Kommentar die Zitate deklariert;-). Und ausserdem bin ich ja wohl der „Oberdepp“ weil ich aufgrund meiner Mängel in Englisch immer nach deutschen Texten frag!

  8. Hey Ich bin der Meinung, dass ich wirklich keine Ahnung von dem habe, was ihr gerade schreibt! Irgendwie seid ihr mir zu spießig. Mit Freundlichen Grüßen Alexa Seidel.

  9. Zitat Wikipedia:

    Als Spießbürger oder Spießer bezeichnet man abwertend eine Person, die sich durch geistige Unbeweglichkeit, ausgeprägte Konformität mit gesellschaftlichen Normen, Abneigung gegen Veränderungen der gewohnten Lebensumgebung und Zurückweisung von allem Fremden auszeichnet.

    So ganz leuchtet mir deine Bewertung nicht ein…

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