Ich greife mal einen Beitrag von Andreas auf. Hier verweist er auf einen Artikel, in dem die soziale Wirkung „virtueller Welten“ anhand aktueller Studienergebnisse beschrieben wird.

Ein Ergebnis lautet: Soziale Entfremdung findet durch Beschäftigung mit virtuellen Welten nicht statt, Geselligkeit und Gesellschaftsfähigkeit werden auch in virtuellen Umgebungen entwickelt.

Wenn man, mit Luhmann, davon ausgeht, dass die grundlegende Operation des Sozialen Kommunikation ist, kann dann überhaupt soziale Entfremdung stattfinden? Schließlich ist der Computer ja ein Verbreitungsmedium der Kommunikation.

Wo, wenn überhaupt, könnten dann Probleme liegen?

Ich würde annehmen, dass das Problem in der Abnahme der „Zufallskontakte frei herumlaufender Körper“ (Luhmann, Gesellschaft der Gesellschaft, 309) liegt, und damit auch in der Identifikation von „Mitteilungshandelnden“, was wiederum bedeutet, dass Information (das Was der Kommunikation) von der Mitteilung (das Warum, also die Absicht) auseinanderdriften und die Möglichkeit der Bewertung der Information vor dem Hintergrund der Mitteilung(sabsicht) verloren geht, der Mitteilung also nicht mehr ohne weiteres zugestimmt oder sie abgelehnt werden kann. Man nimmt die gelieferte Information einfach an. Die Entstehung sozialer Ordnung basierte aber bisher wohl immer genau auf dieser Unterscheidung.

Hier ist der interessante Punkt, ob und wie sich das durch Computer ändert. Inklusion und Entfremdung, Gruppenbildung etc. wären dann gar nicht die kritischen Punkte im Vergleich von virtueller und „realer“ Realität. Interessant ist hier auch der Anschlussgedanke, dass Avatare, also virtuelle Abbilder des menschlichen Körpers, die Funktion der oben angesprochenen Zufallskontakte übernehmen könnten, auch unabhängig vom User weiter virtuell herumlaufen würden. Diese Überlegung ist recht interessant, meiner Meinung nach müssen Avatare aber nicht auf ein vollständiges Eigenleben ohne/unabhängig vom User angewiesen zu sein. Der Zufallskontakt menschlicher Körper pausiert ja auch, z.B. beim Schlafen oder wenn man nicht raus geht. Somit müsste, wenn Avatare das virtuelle funktionale Äquivalent wären, auch hier keine permanente Möglichkeit der Zufallskontakte gegeben sein

Oder?