Was genau könnte die besondere Eigenheit des World Wide Webs sein im Vergleich zu anderen Kommunikationen, sofern es eine gibt? Die Dokumente (Internetseiten, PDF-Dateien etc.) unterscheiden sich für Kommunikation erstmal nicht von anderen „Dokumenten“ wie Büchern, Zeitschriften, Fernsehen etc. Somit kann hier noch nicht von einer besonderen Typik Kommunikation ausgegangen werden. Der spezielle Unterschied des WWW liegt – so die These von Peter Fuchs – in der Operativität: den Hyperlinks.

Kommunikation errechnet permanent soziale Adressen, also Adressaten und auch Urheber von mitgeteilten Informationen. Diese sozialen Adressen sind als kommunikative Struktur zu verstehen und bezeichnen bestimmte Erwartungen und Rollenverhalten, die an Urheber und Adressat der Kommunikation gerichtet sind. Die hierfür notwendigen Personen werden durch die für die Kommunikation notwendige Umwelt appräsentiert: den psychischen Systemen oder Bewusstsein. Kommunikation und Bewusstsein sind aufeinander angewiesen, ein Umstand, der von George Spencer Brown auch als konditionierte Ko-Produktion bezeichnet wird.

Das WWW jedoch reproduziert sich nicht durch die Dokumente erster Ordnung (eine Website, ein Blogeintrag etc.), sondern im Netzwerk der operativen Verweise (Hyperlinks). Dadurch werden nur sehr schwache Formen von Sinn („klick mich!“) ins Medium Sinn eingeschrieben, die das Bewusstsein kaum fordern. Die kommunikativen Anschlüsse sind immer weniger auf Verstehen angewiesen.

Das WWW ist „in dieser Hinsicht ein flackerndes, ein gleitendes, ein surfendes System, das gegen Themen indifferent nur intern auf die Schläge seiner Verweisungen reagiert“ (Fuchs 2001, Verweis siehe oben). Es koppelt ab von elaborierter psychischer Selbstreferenz und wird zur hyperautonomen Kommunikation.

Selektionsprobleme der Kommunikation, auf die die Gesellschaft bisher durch Organisierung oder Individualisierung reagiert hat, werden verschärft und lösen die einsichtige Einheit der Kommunikation (Information, Mitteilung und Verstehen) auf. (Luhmann, Niklas (1999): Die Gesellschaft der Gesellschaft. 2.Aufl. Frankfurt/Main: Suhrkamp)

Ob und inwiefern sich sowas auf soziale Strukturen auswirkt, bleibt abzuwarten. Aber deutlich wird, dass schwindende Kopplung von psychischer Umwelt an die Kommunikation eben in dieser Umwelt ein ungeheures Maß an Freiheit schafft.

Es legt der Form nach seiner psychischen Umwelt keine sozialen Fesseln an, jedes Bewusstsein kann jederzeit das Feld verlassen, nahezu folgenlos. Es ist deshalb für mich bezeichnend, daß es so viele Versuche der sozialen Kontrolle des WWW gibt.(Fuchs 2001, a.a.O.)

In einer direkten Kommunikation Internet-Foren lässt sich oftmals weniger folgenlos beleidigen als zum Beispiel in Internet-Foren einer direkten Kommunikation…