Im Gegensatz zu quantitativen Stichproben, die vor allem durch hohe Fallzahlen versuchen, zufällige Stichprobenfehler oder -verzerrungen zu vermeiden, können und werden bei qualitativen Samples wesentlich weniger Fälle für die Untersuchung verwendet. Es geht also weniger um Repräsentativität und verallgemeinerbare Aussagen durch große Stichproben, sondern vielmehr um Kontrastierung und deutlich mehr Variabilität im Datenmaterial, ein eher exploratives Vorgehen also. Welche Samplingstrategien, also Vorgehensweisen der Stichprobenziehung, bieten sich hier an?

Methode der widersprechenden Fälle

Zum einen die Methode der widersprechenden Fälle nach Lindesmith und Cressey. Dabei wird eine möglichst universelle, vorläufige Hypothese auf der Grundlage bisheriger Literatur und gegebenenfalls auch gesammelter Daten formuliert. Dann werden kontrastierende Fälle gesucht, die zu der Hypothese in Widerspruch stehen können. Mit diesem Vorgang soll möglichst viel Variabilität im Datenmaterial erzielt werden, um die Arbeitshypothese weiterzuentwickeln und zu modifizieren. Dadurch ergeben sich jedoch die Probleme, wann mit der Stichprobenziehung aufgehört wird, also ein Kriterium, das das Ende des Samplings bestimmt: Wann gibt es keine widersprechenden Fälle mehr? Außerdem braucht man auch Hypothesen im Vorfeld, die mehr als nur vorläufig und allgemein sind. Die Methode der widersprechenden Fälle ist ein abkürzendes Verfahren, das der Logik qualitativer Forschung etwas entgegenläuft und nicht die „gesamte Breite“ qualitativer Verfahren ausnutzt.

Qualitative Stichprobenpläne

Hierbei werden bestimmte Merkmale im Vorfeld festgelegt und ein Merkmalsraum (oder eine verschachtelte Tabelle) gebildet, wobei aus allen Zellen, also interessierenden Merkmalskombinationen, Fälle untersucht werden sollen.

    Einkommen (+) Einkommen (-)
    Abschluss (+) Abschluss (-) Abschluss (+) Abschluss (-)
Weiblich Land        
Stadt      
Männlich Land        
Stadt      

Wie man bereits an dieser Tabelle mit wenigen Merkmalen sehen kann, ergibt sich schnell das Problem, dass der Stichprobenumfang bei Stichprobenplänen sehr schnell sehr umfangreich werden kann, wenn aus jeder Zelle mindestens ein Fall in der Stichprobe vorkommen soll. Bei mehreren Merkmalen und mehr Fällen pro Zelle stößt man schnell an die Grenzen des Machbaren.

Theoretical Sampling

Die theoretisch geleitete Stichprobenziehung nach Glaser und Strauss wird relativ häufig verwendet, zumindest oft als Vorgehensweise der Stichprobenziehung genannt. Dabei wird versucht, durch Minimierung und Maximierung von Unterschieden Varianz in den empirischen Beobachtungen herzustellen und ähnelt damit der erst genannten Vorgehensweise der widersprechende Fälle. Die Vergleichsdimensionen werden dabei im Laufe des empirischen Forschungsprozesses anhand der sich entwickelnden Theorie ausgewählt. Das pragmatische Abbruchkriterium wird als Theoretical Saturation, also als theoretische Sättigung bezeichnet, und ist dann erreicht, wenn keine weiteren Fälle mehr zu erwarten sind, die das Datenmaterial noch heterogener machen könnten. Die Entscheidung hierfür wird unter anderem durch den parallel zur Datenerhebung stattfindenden Datenauswertungs- und Analyseprozess bestimmt.

Soweit erst mal zum Qualitativen Sampling… Als nächstes folgt wahrscheinlich etwas zum theoretischen Vorwissen im Forschungsprozess.