Luhmann, Habermas und das Internet

In einem älteren Beitrag habe ich versucht zu beschreiben, welche Probleme Luhmann durch den Einfluss des Computers auf Kommunikation sieht: Die Identifikation von Mitteilungshandelnden geht verloren und damit die Möglichkeit der Bewertung der Information vor dem Hintergrund der Mitteilung(sabsicht).

Nun bin ich vorhin über SozLog zum einen auf ein Video von Jürgen Habermas gestoßen, aber auch auf eine andere Seite und über diese wiederum auf eine Rede von Jürgen Habermas (PDF).

Darin beschreibt Habermas, dass das Internet zwar einerseits die Kommunikationszusammenhänge erweitert und den Egalitarismus steigert. Andererseits jedoch gehen die Errungenschaften traditioneller Öffentlichkeiten verloren. Die traditionellen Öffentlichkeiten fokussierten gesellschaftlich relevante Themen und lenkten eine kritische Aufmerksamkeit auf eben diese Themen. Durch das Internet jedoch werden die Zugänge zu Themen dezentriert, die Beiträge bleiben unredigiert und die „Beiträge der Intellektuellen“ (Gesellschaftskritik?) verlieren an Bedeutung.

Aber die horizontale und entformalisierte Vernetzung der Kommunikationen schwächt zugleich die Errungenschaften traditioneller Öffentlichkeiten. Diese bündeln nämlich innerhalb politischer Gemeinschaften die Aufmerksamkeit eines anonymen und zerstreuten Publikums für ausgewählte Mitteilungen, sodass sich die Bürger zur gleichen Zeit mit denselben kritisch gefilterten Themen und Beiträgen befassen können. Der begrüßenswerte Zuwachs an Egalitarismus, den uns das Internet beschert, wird mit der Dezentrierung der Zugänge zu unredigierten Beiträgen bezahlt. In diesem Medium verlieren die Beiträge von Intellektuellen die Kraft, einen Fokus zu bilden (Seite 4 des Redemanuskripts)

Dieser Punkt von Habermas erinnert mich an den Aspekt, den Luhmann als Verlorengehen der Identifikation von Mitteilungshandelnden bezeichnet: Man nimmt die gelieferte Information einfach an…

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4 Kommentare zu „Luhmann, Habermas und das Internet

  1. Oh, vielen Dank Daniel für das Aufstöbern dieses raren Videos.
    Texte oder Ausführungen Habermas‘, die dezidiert zum Medium Internet Stellung nehmen, sind ja bislang eher unterrepräsentiert.

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