Die folgenden Überlegungen beziehen sich auf den Text Why Complex Systems Are Also Social and Temporal von Dirk Baecker, ein kurzes Paper, das er für die ECCS 2007 European Conference on Complex Systems im Oktober in Dresden eingereicht hat.

Komplexe Systeme sind paradox. Wie dieses Paradox entsteht, soll hier kurz skizziert werden.

Komplexität ist die Einheit der Unterscheidung von Einzigartigkeit und Vielfalt. Ein komplexes System ist eine Form, dessen Innenseite die Einzigartigkeit eines Phänomens bezeichnet, während die Außenseite die Vielfalt desselben Phänomens beschreibt. Grob gezeichnet sieht die Notation dafür in etwa so aus:

Man erlangt mit Hilfe der Spencer Brown’schen Notation also eine Form, die nicht nur die Grenze zwischen der Innenseite des Systems und der Außenseite enthält (die Unterscheidung, der kleinere Haken), sondern auch die Außenseite der Form als Innenseite der Form (re-entry, der größere Haken).

Dieses Paradox kann aufgelöst werden durch Referenz und Zeit. Die operative Geschlossenheit von Systemen wird in einer nicht-linearen Weise hergestellt, da die Vielfalt der Umwelt immer nur selektiv strukturell gekoppelt sein kann. Mit jeder Selektion, mit jedem neuen, andersartigen Anschluss an die Umwelt ändert sich auch die „Art“ der durch die Umwelt bereitgestellten Komplexität für den eigenen Strukturaufbau des Systems.

Operativ gesehen reproduziert sich das System also durch ständige identische und nicht-identische Wiederholungen: es ist es selbst, aber es ist auch ein anderes (the same is different). Eine andere Formulierung hierfür wäre die Unterscheidung von Selsbt- und Fremdreferenz, oder ego und alter ego. Oder aber auch Polykontexturalität oder Vielfalt der Perspektiven usw.

Die Unbestimmtheit von Komplexität kann also bearbeitet werden, wenn man bei der Analyse komplexer Systeme die Verschiedenheit der Perspektiven (Referenz) zusammen mit der Temporalität der Operationen (Zeit) eines Systems berücksichtigt.

So jedenfalls habe ich den Text verstanden…