Im Rahmen meiner Dissertation beschäftige ich mich – neben Nutzerorientierung – auch mit Strategien der Nachhaltigkeit im Kontext von Entlassungsmanagement. Mir geht es dabei, wie geschrieben, nicht primär um die Effizienz von Entlassungsplanung, sondern um mögliche Strategien, die Krankenhäuser haben und von denen sie ausgehen, dass die Überleitung und weitere pflegerische Versorgung in den post-stationären Bereich auch weiterhin gesichert ist.

Nun bin ich im Rahmen meiner Literaturrecherche auf einen interessanten Aufsatz gestoßen (Referenzen siehe Ende dieses Artikels). Dabei geht es darum, zu sehen, welche Probleme gesellschaftlich produziert werden, für die dann Nachhaltigkeit die Lösung ist.

Nachhaltigkeit gehört zum Aktivwortschatz der modernen Gesellschaft, d.h. es gibt kaum Kommunikationszusämmenhänge (Politik, Wissenschaft, Umwelt, Pädagogik…) , in denen dieser Begriff nicht auftaucht. Allerdings wird auch in fast jedem Kommunikationszusammenhang deutlich, wie beliebig und verwässert dieser Begriff ist. Ein inhaltlich ausgearbeitetes Konzept ist kaum erkennbar.

In den vergangenen Jahren der Nachhaltigkeitsdebatte wurde der Illusionsgrad der Nachhaltigkeit reduziert und der Reflexionsgrad erheblich erhöht. Die normative wurde von der deskriptiven Debatte getrennt. Insgesamt ist es zu einer Ernüchterung hinsichtlich des Nachhaltigkeitskonzepts gekommen: Nachhaltigkeit als Mythos wurde – auch durch die Sozialwissenschaften – entzaubert (Zukunft lässt sich nun mal nur sehr beschränkt planen und Konsequenzen von Entscheidungen sind nicht berechenbar).

Die moderne Gesellschaft zeichnet sich durch eine Zunahme von immer unüberschaubareren und damit auch immer komplexeren Gefährdungen aus. Die daraus resultierenden Probleme sind jedoch keine objektiven Tatbestände, sondern sozial bzw. gesellschaftlich konstruiert, indem und weil sie als Probleme bezeichnet werden.

Die Gefährdungstatbestände der Nachhaltigkeitsdiskussion [sind] keine unmittelbaren Gegebenheiten […], sondern [verdanken] sich spezifischen sozialen Konstellationen […], die ihrerseits nicht extern vorgegeben, sondern prinzipiell selbst generiert und damit auch prinzipiell anders denkbar, also kontingent sind(Wetzel 2005: 192)

Um die Nachhaltigkeitsdebatte also adäquat analysieren zu können und damit Schlussfolgerungen für das Nachhaltigkeitskonzept zu ziehen, „ist es sinnvoll, ihre soziale Kontextuierung und die Konditionierung ihrer Problemstellung zu betrachten“ (ebd.). Dann sieht ein Beobachter die Kontingenz und kann an funktionalen Äquivalenten zu den bisherigen Lösungsstrategien arbeiten.

Im Moment arbeite ich daran, wie ich diese Ideen mit meinen Fragestellungen verknüpfen kann.

 

Großmann K, Hahn U, Schröder J (Hg) (2005) Im Prinzip Nachhaltigkeit. Akteurskonstellationen und Handlungsspielräume in interdisziplinärer Betrachtung. Rainer Hampp Verlag, München, Mering

Wetzel R (2005) Hintergründe und Steuerungspotenziale der Nachhaltigkeit. Ein systemtheoretischer Blick. In Großmann K u.a. (Hg) a.a.O., 189-210