Anfang des Jahres habe ich einen Beitrag über einen Versuch des Carl-Auer-Verlags verfasst, in dem Fritz B. Simon sein neues Buch „live“ geschrieben und im Blog des Verlages kapitelweise veröffentlicht hat. Ich habe das Buch gestern angefangen zu lesen und gleich einen interessanten Link zu meinem Thema gefunden.

Im zweiten Kapitel beschreibt Simon den Prozesscharakter von Organisationen. Man findet in Organisationen Muster von Dauerhaftigkeit, die den Austausch von Mitgliedern überstehen. Diese Muster lassen sich (meiner Meinung nach) als Organisationskultur auffassen, wobei die Organisationskultur demnach eine Konstanz aufweist, die nicht an bestimmtes Personal geknüpft ist, sondern eben den Personalwechsel überdauert. Mit speziellem Zuschnitt auf die jeweilige Organisation kann man also auch sagen, dass Organisationsstrukturen wesentlich durch die Organisationskultur geprägt werden.

Auch in meinem Vortrag habe ich die These aufgestellt (mit Referenz auf Bleses 2005, die an vielen Studien zur Nutzer- und Patientenorientierung die mangelnde Berücksichtigung von Organisationsstrukturen/-kultur kritisiert), dass Konzepte der Nutzerorientierung nur unter Berücksichtigung der jeweils vorherrschenden Organisationskultur angemessen analysiert und beschrieben werden können.

Organisationskultur als Form von Konstanz bestimmter Muster lässt sich nach Ansicht Simons jedoch nur schwer durch handlungs- oder verhaltenstheoretische Ansätze beschreiben, da diese die Akteure (Personen, Mitglieder…) als konstitutiven Bestandteil einer Organisation auffassen und somit nur schwer die den Personalwechsel überdauernde Konstanz der Muster erklären können. Erst die Umstellung von Handlung auf Kommunikation (und damit auf systemtheoretische Ansätze) erlaubt es, Organisation als Kommunikation (also als soziales System) aufzufassen und den Fokus auf die Konstruktion kommunikativer Strukturen zu legen, ohne an bestimmte Personen gebunden zu sein.

Dadurch lässt sich einerseits gut begründen, warum man sich für eine bestimmte theoretische Vorgehensweise entscheidet, andererseits ist damit auch festgelegt, worauf sich die Analysen zu konzentrieren haben.