Schnittstellenmanagement als System

Gestern hatte ich ein Treffen und Gespräch über das Thema Schnittstellenmanagement aus systemtheoretischer Perspektive. Das war insofern ganz aufschlussreich, weil sich hier – zusätzlich zur soziologischen Netzwerktheorie – eine alternative Herangehensweise an die Schnittstellenproblematik aufzeigt.

Zuerst ist der Begriff des Schnittstellenmanagements zu reformulieren, um ihn systemtheoretisch kompatibel zu machen. Schnittstellenmanagement bezeichnet die strukturelle Kopplung zwischen mindestens zwei Systemen, in diesem Fall Organisationen (Krankenhäuser, Pflegedienste, Therapeuten…). Diese strukturelle Kopplung erzeugt jedoch im Fall des Schnittstellenmanagements besondere Strukturen und führt zur Entstehung eines neuen (sozialen) Kommunikationssystems. Denn im Rahmen des Entlassungsmanagements und der organisationsübergreifenden Kooperation und Koordination „Treffen“ sich Vertreter der verschiedenen, oben genannten Organisationen und bilden eben dies neue System, wobei die Organisationen, denen die Vertreter jeweils angehören, Umwelt dieses Systems (nennen wir es vorerst: „Schnittstellensystem“) wären.

Hier könnte man auch von Interpenetration sprechen, obwohl dieser Begriff sich normalerweise auf die strukturelle Kopplung von psychischen und sozialen Systemen bezieht. Hier jedoch sind die Entscheidungen der jeweiligen in der Umwelt platzierten Organisationen als „Äußerungen“ zu verstehen, die sonst von psychischen Systemen getätigt werden, und zu Strukturaufbau des Schnittstellensystems führen.

Zu klären bliebe dann die Frage, welche Form oder Struktur dieses Schnittstellensystem aufweist. Ist es in irgendeiner Form organisiert? Dann könnte man von der Organisation von Organisationen sprechen, oder anders ausgedrückt: von der Koordination von Versorgungseinrichtungen.

Eine besondere Eleganz, vom Schnittstellensystem zu sprechen (jetzt nicht auf den Begriff selbst bezogen), wäre, dass alle Probleme, die „Schnittstellenmanagement“ betreffen, sich nun durch die Analyse dieses Systems beschreiben ließen. Es käme also nur ein System in den Fokus der Analysen. Auch Nutzerorientierung als Form ließe sich eleganter fassen, wenn man die Idee der Unterscheidung von „normaler“ und virtueller Mitgliedschaft verfolgt. Denn bezöge man Nutzerorientierung nur auf das Krankenhaus, stellt sich auch die Frage nach dem rechtlichen Status eines Mitglieds, und damit auch, ob die Unterscheidung normale/virtuelle Mitgliedschaft dann durchzuhalten ist. Bezieht man diese Form jedoch auf das Schnittstellensystem, wäre die Art der Mitgliedschaft weitaus einfacher (oder lockerer) zu definieren – wobei Mitgliedschaft nur dann als Möglichkeit ins Spiel kommt, wenn es sich beim Schnittstellensystem um ein organisiertes System handelt, also Kriterien einer Organisation – in welcher Strenge auch immer – aufweist.

Schließlich wurden im Gespräch noch Möglichkeiten der empirischen Vorgehensweise erörtert, und auch hier lassen sich konkrete Fragen leichter formulieren und Daten leichter erheben (Feldzugang), wenn das Schnittstellensystem in den Fokus gerät. Noch besser wäre es, es handle sich um ein organisiertes System, weil dann eben konkrete Kriterien vorliegen müssten. Aber da darf man und möchte ich mich nicht vorschnell festlegen. Das wird sich dann (hoffentlich) im Laufe der Forschung herauskristallisieren.

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2 Kommentare zu „Schnittstellenmanagement als System

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