Heute morgen während der Fahrt ins Büro kam mir eine Idee, die an meine Überlegungen zum Schnittstellenmanagement als System anschließt. Es geht, kurz gesagt, darum, eine Methode zu finden, um das empirische Vorgehen in der Doktorarbeit mit der theoretischen Herangehensweise kompatibel zu machen. Noch kürzer: Welche Methode passt zur Systemtheorie als Methodologie?

Werner Vogd versucht dies in seinen aktuellen Studien.1 Bei der Expertenbefragung lässt sich beobachten, dass es in der Praxis der Befragten divergierende Anforderungen gibt, die sich aus der Polykontexturalität der funktional differenzierten Gesellschaft ergeben. Organisationen werden mit den jeweiligen Semantiken der einzelnen Funktionssysteme „überzogen“, sodass es in keiner Kommunikation mehr nur noch um eine Sache geht (also: nur politische oder nur wirtschaftliche Aspekte). Somit wird man nicht mehr nur „Organisationskultur“ entdecken, sondern bspw. auch – im Falle von Krankenhäusern – Medizin, Ökonomie, Mikropolitik, Organisation und Interaktion.

Das Theoriestück der strukturellen Kopplung aber sei zu vage, um hier theoretische Erklärungen für die Kopplung verschiedener Organisationen oder Akteure, die sich im Schnittstellensystem "treffen", zu liefern – und kann somit die Methode nicht genügend systemtheoretisch fundieren. Wenn strukturelle Kopplung zur Begründung einer Methode aber nicht ausreicht, wie lässt sich dann – in meinem Fall – das Schnittstellensystem analysieren? Auf welche Theorie kann oder muss die Methode zurückgreifen, um aus den Daten brauchbare Informationen zu gewinnen? Und wie lässt sich dies mit der Methodologie (hier also: Systemtheorie) verknüpfen?

Die Idee kam mir, als ich im Buch von Vogd auf Seite 25 las, dass es eine Organisationskultur oder einen Habitus gibt, dessen Soziogenese „oberhalb individueller biografischer Motivlagen und unterhalb der Luhmannschen Funktionssystemsemantiken anzusiedeln ist“, und mir eine Anmerkung von Dirk Baecker einfiel, der sagte, dass die Elemente eines Netzwerkes selbst kein System seien, sondern heterogene Strukturen, die aber bei der Systemreproduktion eine Rolle spielen könnten.2

Meine Idee wäre, – und dieser müsste ich noch weiter nachgehen, im Moment ist es noch „ungeprüft“ in Bezug auf theoretische Konsinstenz – dass anstelle der strukturellen Kopplung oder Interpenetration, die Vertreter der verschiedenen Organisationen (hier wieder: siehe entsprechender Beitrag) als strukturierende Netzwerkelemente des Schnittstellensystems gefasst werden könnten, die mit wechselseitigen Kontrollversuchen ihre Identitäten herausbilden.

Damit hätte man ein zusätzliches Theoriestück, das es ermöglichen könnte, sich auf eine Methodologie zu beziehen (Verknüpfung von System- und Netzwerktheorie), auf die die Methode rekurriert und die empirisch durchgehalten werden könnte.

 

1 Vogd, Werner (2006): Die Organisation Krankenhaus im Wandel. Eine dokumentarische Evaluation aus Sicht der ärztlichen Akteure. Bern: Verlag Hans Huber

2 Baecker, Dirk (2006): Sociocybernetics-Mailingliste