Gelegentlich wird der Zettelkasten als Literaturverwaltung beschrieben. Das ist eigentlich genau nicht der Fall, denn vernünftig Literatur verwalten wie bspw. mit BibDesk oder JabRef geht mit dem Zettelkasten nicht. Vielmehr soll der Zettelkasten dazu dienen, das Erstellen und Vorbereiten von Texten zu erleichtern. Dazu jedoch bietet es sich an, parallel zum Zettekasten eine Literaturverwaltung zu verwenden. Wie das ganze dann nachher verwendet werden kann, soll in diesem Beitrag kurz gezeigt werden…

1. Etwas lesen
Zuerst müssen Zettel erstellt, d.h. also etwas gelesen werden. Das, was gelesen wird, sollte erst einmal in das Literaturverwaltungsprogramm der Wahl (BibDesk, JabRef, Citavi, Bibliographix, Zotero…) eingetragen werden. Damit erspart man sich später unter Umständen das mühsame Erstellen von Literaturverzeichnissen. Anschließend wird gelesen und exzerpiert. Idealerweise nicht pauschal per Copy & Paste, auch keine ewig langen Zettel. Zu empfehlen ist eine Arbeitsweise, wie ich sie hier beschrieben habe.

2. Etwas eingeben – Zettel erstellen
Das Gelesene kann nun im Zettelkasten verwertet werden. Am Anfang ist das Anlegen neuer Zettel vielleicht noch einfach, mit der Zeit wird der Umfang an Literatur und Schlagwörtern immer größer und die Zuordnung / Verschlagwortung schwieriger. Dabei unterstützt der Zettelkasten jedoch (Grundlegendes siehe hier).

3. Literaturangaben im Zettelkasten
Bereits während der Neueingabe von Zetteln ist es empfehlenswert, so genannte Literaturfußnoten zu erstellen. Dazu sollte die zuvor in der Literaturverwaltung gespeicherte Literatur in den Zettelkasten importiert werden – man kann aber auch später Literaturangaben im Zettelkasten mit den entsprechenden Einträgen aus einem Literaturverwaltungsprogramm verknüpfen (über das Zuweisen von bibkeys).

4. Textproduktion: Gliederung
Angelehnt an (salopp beschrieben) Luhmanns Vorgehen, Zettel auf dem Schreibtisch auszubreiten, anzuordnen und zu einem zusammenhängenden Text zusammen zu stellen, gibt es im Zettelkasten die so genannte Schreibtischfunktion. Diese setzt voraus, das bereits einige Zettel im Zettelkasten eingetragen wurden.


Welche Zettel nun auf dem Schreibtisch landen, wie man mit welchen Such- und Vernetzungsmöglichkeiten des Zettelkastens welche Zettel auswählt, all das kann an dieser Stelle aus Platzmangel nicht näher beschrieben werden. Hier muss jeder selbst seine ideale Arbeitsweise finden, als Lesehinweis ist dieser Beitrag zu empfehlen.

Im Schreibtischfenster kann man nun das Grundgerüst einer Gliederung erstellen:

Die Gliederung kann beliebig viele Ebenen und Unterebenen enthalten. Anschließend geht es darum die Unterpunkte mit Zetteln, das Textgerüst also mit Inhalten zu füllen.

Das Ergebnis ist ein Fließttext, der als Grundgerüst für den geplanten Textentwurf dient, inklusive Literaturfußnoten (in der Grafik unten blau) und Literaturliste:

5. Export des Textentwurfs zur weiteren Verarbeitung
Über die Exportfunktion kann der so erstellte Textentwurf in verschiedene Formate exportiert und weiter bearbeitet werden. Dabei kann bei Bedarf aus der verwendeten Literatur eine separate BibTex-Datei erstellt werden, um damit z.B. ein Literaturverzeichnis für diesen Schreibtisch zu erstellen:

Das Erstellen der BibTex-Datei setzt jedoch voraus, dass die Literaturangaben, die in den Zetteln, die auf dem Schreibtisch liegen, verwendet wurden, alle über bibkeys mit einer BibTex-Datei verknüpft sind (siehe oben)!

Noch bequemer ist es dann, den Schreibtisch direkt ins LaTex-Format zu exportieren und dabei die verwendete Literatur als separate BibTex-Datei zu exportieren. Mit Programmen wie Lyx kann die vom Zettelkasten erstellte LaTex-Datei geöffnet und per Mausklick direkt als PDF gespeichert werden – Inhaltsverzeichnis, korrekte Zitation sowie Literaturverzeichnis werden automatisch erstellt. Auch kann man mit Lyx die Dateien per Mausklick direkt im OpenDocument-Format abspeichern und mit OpenOffice oder LibreOffice weiter bearbeiten. Auch hier sind bereits Literaturverweise und -verzeichnis automatisch erstellt.

Durch einfaches Ändern von Vorlagen oder Zitationsstilen in der LaTex-Datei kann man also eine Textgrundlage schaffen, die schon (nahezu) optimal an Formatvorgaben und Zitationsstil angepasst ist.

Beispielvideo

Update 8. Feb 2012

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