Ein Genie

Heute habe ich im Zug einen
genialen Jungen
kennengelernt.
Er war ungefähr 6 Jahre alt,
saß direkt neben mir,
und als der Zug an der Küste
entlangfuhr
sah man das Meer
und wir schauten beide aus dem
Fenster
und sahen das Meer an
und dann drehte er sich
zu mir um und sagte,
«Das ist nicht schön.»
Da ging mir das zum
ersten Mal
auf.

(aus: Bukowski, Charles (2001): Gedichte die einer schrieb bevor er im 8. Stockwerk aus dem Fenster sprang. 12. Auflage. München: Deutscher Taschenbuch Verlag)

Ein gutes, neues Jahr wünsche ich allen Leserinnen undLesern meines Blogs!

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Die Form Person

Ich möchte hier eine Anregung aus den Kommentaren des vorletzten Beitrags aufgreifen und etwas über die Form Person schreiben. Meine Ausführungen beziehen sich im Wesentlichen auf den gleichnamigen Artikel von Niklas Luhmann sowie ein Referat von Peter Fuchs zum Thema „Der Mensch – das Maß aller Dinge?“ (mittlerweile auch veröffentlicht). Ziel ist es, die Form Person zu beschreiben und zu überlegen, was sich daraus für die Konstruktion eines Nutzerbegriffs schlussfolgern lässt.

Vorweg ist zu sagen, dass die Form Person eben eine Form und kein System ist. Die Form Person ist lediglich ein Beobachtungsschema mit einer Leitunterscheidung, die bestimmt, welche Anschlüsse in einer Kommunikation möglich sind und welche nicht, und auch was durch diese Form explizit ausgeschlossen und nicht zum Thema der Kommunikation wird – jedenfalls nicht in dem Moment, in dem das Formschema „Person“ zum Einsatz kommt.

Damit ist auch gesagt, dass, wenn man von „Person“ spricht und dies vor dem Hintergrund der Systemtheorie Luhmanns macht, eben kein Individuum, kein Mensch und kein Bewusstsein (psychisches System) gemeint ist. Die Person ist kein anderer Gegenstand als ein Mensch oder Individuum (also keine weitere „Objektbezeichnung“, obwohl es hier klassich formuliert um Subjekte geht), sondern eine andere Form, mit der man Gegenstände wie menschliche Individuen beobachtet.

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Lesen lernen

Ich möchte gerne diesen Beitrag aufgreifen und etwas ausführlicher behandeln. In den folgenden Ausführungen beziehe ich mich auf den Aufsatz Lesen lernen von Niklas Luhmann (erschienden in Short Cuts). Dabei versuche ich, Luhmanns Vorschläge zur Lektüre von Texten, eine Art Leseheuristik, als Grundlage für die Weiterverarbeitung des Gelesenen mit Hilfe eines Zettelkastens zu verknüpfen. Dadurch möchte ich eine bestimmte Arbeitsweise mit diesem Programm beschreiben.

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Ökologische Kommunikation und Klimawandel

Aus aktuellem Anlass hab ich mir jetzt endlich mal vorgenommen, das Buch ökologische Kommunikation von Luhmann zu lesen. Das Buch ist zwar schon über 20 Jahre alt, aber erstaunlicherweise immer noch hochaktuell und noch lange nicht überholt. Zudem ist es ein sehr gutes Buch, um Systemtheorie zu verstehen, aber auch insgesamt besser zu begreifen, mit welcher Heuristik die Systemtheorie arbeitet.

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Kausalität im Süden

In den Vorlesungen des GSSM 2007 gestern und heute ging es unter anderem um Kausalität. Dabei kamen wir auf David Hume zu sprechen. Ihm zufolge ist Kausalität immer eine Konstruktionsleistung des Bewusstseins, da Ursache und Wirkung aus zeitlichen Gründen nie beobachtet werden können. Diese Vorstellung ist meiner Meinung nach gar nicht so veraltet…

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Picasso und Spencer Brown

Anfang des Jahres war ich in Wien im Urlaub und unter anderem in der Picasso-Ausstellung Malen gegen die Zeit. Einige von Picassos Bildern zeigten Körper mit ungewöhnlichen Proportionen, riesige Hände und Füße, große Augen usw., wie man links auf dem Bild Badender sehen kann.

Zu einigen dieser Bilder gab es Aussagen von Picasso, die über den Hintergrund aufklärten, warum er so malte. Ich kann das jetzt nicht wortwörtlich wiedergeben, aber sinngemäß hieß es zu dieser Bilderserie, dass jedes Detail gleichberechtigt sei. Schaut man auf die Füße, sieht man nur diese, der Rest des (in diesem Beispiel) Körpers tritt zurück und wird nicht wahrgenommen, gerät sozusagen aus dem Blickfeld. Gleiches gilt, wenn der Maler die Hände malt und nur diese im Blick hat. Daher müssen alle Details im Bild gleichberechtigt hervortreten.

Als ich das las, fiel mir sofort George Spencer Brown ein. Und mir fiel auf, dass die Kunst immer schon alles wusste, was die Wissenschaft irgendwann herausfindet.

Die gesellschaftliche Konstruktion vom Alter(n)

Ein bekanntes Gesellschaftsbild im Hinblick auf alte Menschen geht von einer Marginalisierung, also einer Ausgrenzung alter Menschen aus. Das mag daran liegen, dass man zumeist gesellschaftskritisch „eine über ein Wertezentrum integrierte Berufs-, Leistungs- oder Arbeitsgesellschaft“ voraussetzt, in der diejenigen, die nicht arbeiten, am Rande der Gesellschaft stehen.

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Ganzheitlichkeit

„Das Ganze ist mehr als die Summe seiner einzelnen Teile“ sagt man oft, und bringt das Holismusprinzip damit auf eine Kurzformel. Aus dieser Formel leiten sich dann auch viele so genannte „systemische“ (Beratungs-)Ansätze ab, wie z.B. in der Familientherapie oder Organisationsberatung etc. Nun möchte ich dieses Verständnis von „Systemtheorie“ mal mit neueren Erkenntnissen der sozioligischen Systemtheorie hinterfragen und prüfen, ob man auch anders „systemisch“ denken kann.

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