Arbeiten mit Zettelkästen

Ganz kurz ein paar Verweise, angestoßen durch folgenden Hinweis:

Zwei empfehlenswerte Seiten, die sich mit Schreiben, Notieren, Verarbeiten der Notizen beschäftigen:

Und, Luhmanns Text über Kommunikation mit Zettelkästen

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Integrated Care Partnerships – Organizational Behaviour in Co-Operation Networks

Mein Abstract zum Vortrag über Integrated Care Partnerships – Organizational Behaviour in Co-Operation Networks auf der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie wurde angenommen. Der Vortrag entstand im Rahmen eines geplanten Forschernetzwerks zum Thema Organizational Behaviour in health care institutions in Germany – theoretical approaches, methods and empirical results.

Mein Beitrag fokussiert auf Versorgungsnetzwerke und integrierte Versorgung bzw. vernetzte Versorgung. Im Rahmen einer system- und netzwerktheoretischen Analyse soll der Frage nachgegangen werden, wie Entscheidungsfindungen im Verhältnis von medizinischen und ökonomischen Kontexturen zustande kommen und welche Steuerungsmechanismen greifen, um zwischen diesen Ebenen zu vermitteln. Die Vermutung ist, dass weder hierarchische Programme in Organisationen noch Marktelemente (bspw. DRG) ideal sind, um medizinische Notwendigkeiten und ökonomische Anforderungen auszutarieren, sondern sich Netzwerke bilden, die den jeweils beteiligten Organisationen ausreichend „Handlungsfreiheiten“ (Entscheidungsfreiheiten) lassen.

Meine Vermutung ist, dass sich die Netzwerke der „nächsten Gesellschaft“ sehr gut mit Hilfe der Integration des Konzepts der Polykontexturalität nach Günther in die Luhmann’sche Systemtheorie analysieren lassen und man formtheoretische Überlegungen in diesem Zusammenhang (vorerst) außen vor lassen kann.

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Form und Sinn

Das Thema Integration von Netzwerk- und Systemtheorie ist nach wie vor aktuell (bei mir) und hier insbesondere die Verknüpfung mit der Formtheorie. In diesem Artikel beziehe ich mich vor allem auf die Autoren Niklas Luhmann, Dirk Baecker und George Spencer Brown.

Wenn sich der Begriff der strukturellen Kopplung anbietet, die Netzwerk- und Systemperspektive miteinander zu kombinieren, da durch strukturelle Kopplung die wechselseitige Abhängigkeit und Möglichkeit der Determination zweier Systeme oder von System und Umwelt bezeichnet wird, ist der Sprung von der Systemtheorie zur Formtheorie nicht mehr weit: Denn, so Baecker (2011, S.316), die „Formtheorie korrigiert Begriffe selbstrerentiell geschlossener Teilsysteme der Gesellschaft (…) zugunsten eines Systembegriffs, der operationale Geschlossenheit und enacted environments übergeift (…)“. Cum grano salis könnte man sagen, dass der Begriff der strukturellen Kopplung ähnliches formuliert.

Netzwerke erscheinen dann als „Eigenfunktionen komplexer, adaptiver Systeme“ (ebd.), d.h. Komplexität wird mit Rekursivität verknüpft, sodass Eigenwerte beobachtbar werden, mit deren Hilfe Phänomene beschrieben werden können.

Interessant erscheint mir nun an Baeckers aktuellen Arbeiten, dass komplexe Phänomene (immer öfter) in den drei Sinndimensionen (Sach-, Sozial- und Zeitdimension) analysiert werden. Dadurch entstehen z.B. Formen, die jeweils einen Eigenwert einer dieser Dimensionen beschreiben, wie z.B. im Aufsatz „Schneller rechnen, langsamer entscheiden“ (2011). Hier beschreibt Baecker die Organisation als garbage can (Sachdimension), deren Form die Identität im Kontext der Kontrolle ist.

Die Form der systematischen Unperfektion von Organisationen (Sozialdimension) wird als Willkür im Kontext von Herrschaft beschrieben.

Und schließlich in der Zeitdimenstion wird die Form des Risikos als Tradition im Kontext von Innovation beschrieben.

Die Organisation wird also mit Hilfe dreier Formnotationen beschrieben, jeweils in ihrer Sach-, Sozial- und Zeitdimension des Sinns.

Eine andere Möglichkeit, die Sinndimensionen mit Hilfe der Formtheorie zu analysieren, ist, alle Aspekte der Sinndimensionen in einer Form darzustellen, wie Baecker es am Prozess des Organisierens (2009) darstellt.

Die Hierarchie bildet die Sozialdimension, Netzwerk die Sachdimension und Evolution die Zeitdimenstion des Prozess des Organisierens ab.

Für mich stellt sich die Frage, ob dies generell ein gutes heuristisches Schema ist, um mit der Formtheorie zu arbeiten. Konkret auf meine aktuelle Arbeit am Thema Nachhaltigkeit und Nutzerorientierung in der vernetzten Versorgung bezogen, könnte man dann überlegen, ob die Form von Nachhaltigkeit mit Hilfe empirisch ausgewerteten Materials in den drei Sinndimensionen als Formnotation dargestellt werden kann, um (so Baecker) die Eigenwerte des beobachteten Phänomens (Nachhaltigkeit) auf einen Blick auf den Punkt zu bringen…

Referenzen

  • Baecker D (2011) Organisation und Störung. Aufsätze. Frankfurt/Main, Suhrkamp
  • Baecker D (2009) Management für Fortgeschrittene. Wer Rekursivität sagt, muss auch Oszillation sagen. In: Revue für postheroisches Management, Heft 3. Berlin: MZW, 104-107

Vom Zettel zum Text

Gelegentlich wird der Zettelkasten als Literaturverwaltung beschrieben. Das ist eigentlich genau nicht der Fall, denn vernünftig Literatur verwalten wie bspw. mit BibDesk oder JabRef geht mit dem Zettelkasten nicht. Vielmehr soll der Zettelkasten dazu dienen, das Erstellen und Vorbereiten von Texten zu erleichtern. Dazu jedoch bietet es sich an, parallel zum Zettekasten eine Literaturverwaltung zu verwenden. Wie das ganze dann nachher verwendet werden kann, soll in diesem Beitrag kurz gezeigt werden…

1. Etwas lesen
Zuerst müssen Zettel erstellt, d.h. also etwas gelesen werden. Das, was gelesen wird, sollte erst einmal in das Literaturverwaltungsprogramm der Wahl (BibDesk, JabRef, Citavi, Bibliographix, Zotero…) eingetragen werden. Damit erspart man sich später unter Umständen das mühsame Erstellen von Literaturverzeichnissen. Anschließend wird gelesen und exzerpiert. Idealerweise nicht pauschal per Copy & Paste, auch keine ewig langen Zettel. Zu empfehlen ist eine Arbeitsweise, wie ich sie hier beschrieben habe.

2. Etwas eingeben – Zettel erstellen
Das Gelesene kann nun im Zettelkasten verwertet werden. Am Anfang ist das Anlegen neuer Zettel vielleicht noch einfach, mit der Zeit wird der Umfang an Literatur und Schlagwörtern immer größer und die Zuordnung / Verschlagwortung schwieriger. Dabei unterstützt der Zettelkasten jedoch (Grundlegendes siehe hier).

3. Literaturangaben im Zettelkasten
Bereits während der Neueingabe von Zetteln ist es empfehlenswert, so genannte Literaturfußnoten zu erstellen. Dazu sollte die zuvor in der Literaturverwaltung gespeicherte Literatur in den Zettelkasten importiert werden – man kann aber auch später Literaturangaben im Zettelkasten mit den entsprechenden Einträgen aus einem Literaturverwaltungsprogramm verknüpfen (über das Zuweisen von bibkeys).

4. Textproduktion: Gliederung
Angelehnt an (salopp beschrieben) Luhmanns Vorgehen, Zettel auf dem Schreibtisch auszubreiten, anzuordnen und zu einem zusammenhängenden Text zusammen zu stellen, gibt es im Zettelkasten die so genannte Schreibtischfunktion. Diese setzt voraus, das bereits einige Zettel im Zettelkasten eingetragen wurden.

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Das Catjects-Projekt

Dies soll kein ausführlicher Beitrag werden, der sich inhaltlich vertiefend mit einem Thema beschäftigt, sondern eher eine Art Material- und Ideensammlung. Es geht um Dirk Baeckers (mehr oder weniger) aktuelles Thema der Catjects.

Dabei handelt es sich um den Versuch, ich zitiere:

The general ideas of this project are to advance the theory of social systems developed by Talcott Parsons and Niklas Luhmann toward a theory of social form, to integrate a mathematics of form following George Spencer-Brown into a theory of social form, and then to review a theory of calculating or computing forms or codes with respect to contemporary attempts to understand, algorithmitize, and realize complex, embodied, and embedded systems.

Es geht also um die Idee, die Systemtheorie weiterzuentwickeln in dem Sinne, dass der Form-Begriff Spencer Browns stärker und anders als bisher in die Systemtheorie integriert wird. Was dann wiederum dazu führen würde, dass „Gesellschaft“ das einzige autopoietische System wäre, während alles andere innerhalb der Gesellschaft nicht mehr als autopoietisch organisiertes Subsystem (Funktionssystem, Organisation, Interaktion), sondern als Formen der Kommunikation auftritt.

Zu erwähnen seien hier auch noch mal ein Blog sowie ein Blogbeitrag:

Update auf Zettelkasten 3.1.1

Zwei Wochen nach Erscheinen der Version 3.1 liegt jetzt ein Update des Zettelkastens für Windows, Macintosh und Linux vor. Neben kleineren Fehlerbeseitigungen sind zwei wesentliche Neuerungen hinzugekommen:

Zum einen wird die Relevanz von Verbindungen zwischen Zetteln angezeigt, sozusagen die Vernetzungsstärke von Zetteln.

Zum anderen achtet das Programm jetzt noch mehr auf Schlagwörter, für die Synonyme eingetragen wurden (siehe dazu auch Videoanleitungen zur Synonymfunktion). Werden Schlagwörter, die als Synonyme eingetragen sind, umbenannt, so können jetzt dazugehörige Synonyme ebenfalls automatisch mit umbenannt werden.

Generell empfiehlt es sich bei der Arbeit mit dem Zettelkasten, die Synonym-Funktion zu verwenden, also Synonyme für Schlagwörter anzulegen. Zusammen mit der Schlagwort-Vorschlag-Funktion wird die Arbeit insbesondere mit zunehmender Komplexität des Zettelkastens deutlich vereinfacht, weil die Verschlagwortung wesentlich effektiver handzuhaben ist.

Zum Download…

Zettelkasten 3.1 erschienen

Der Zettelkasten ist ein Programm zum Verwalten wichtiger Textstellen, Exzerpte und Zitate. Darüber hinaus jedoch bietet er die Möglichkeit, die anschließende Verwendung dieser Textsammlung zwecks Textproduktion vorzunehmen. Dies wird durch den Zettelkasten erheblich vereinfacht.

Das Programm ist kostenlos sowohl für berufliche als auch private Zwecke und kann unter Windows (Vista, XP und andere), Mac OS X sowie diversen Linux-Betriebssystemen verwendet werden. Der Zettelkasten ist in den Sprachen Deutsch, Englisch und Spanisch zur verfügbar.

Neu in der Version 3.1 ist die umfassende Erweiterung der so genannten Schreibtisch-Funktion. Eine Videoanleitung zu dieser Funktion gibt es hier.

Das Programm kann hier heruntergeladen werden: http://zettelkasten.danielluedecke.de

Was ist was?

Wer etwas intensiver die Debatte um Systemtheorie und auch Netzwerktheorie verfolgt, dem fällt sicherlich auf, dass es zunehmend Versuche gibt, eine Annäherung dieser beiden Theorien zu erreichen.

Die Fragen sind unter anderem, ob die Netzwerktheorie dort weiterhelfen kann, wo Luhmann seine Theorie eventuell noch nicht so intensiv ausgearbeitet hat, wie bspw. beim Theoriestück der strukturellen Kopplung.

Ich möchte die Diskussion an dieser Stelle gar nicht weiter kommentieren, sondern ein „Fundstück“ zeigen, dass ich kürzlich per E-Mail erhalten habe. Es geht um zwei Zitate, eines von Stephan Fuchs, ein anderes aus einer englischen Übersetzung eines Luhmann-Werkes:

Networks are systems of relations (Stephan Fuchs)

Systems are networks of relations (Luhmann)

So einfach ist das.

Vortrag in Göteborg

Am vergangenen Donnerstag und Freitag war ich Göteborg auf der 8th Annual Integrated Care Conference 2008, um dort einen Vortrag über die theoretische Vorgehensweise meiner Dissertation zu sprechen (der Vortrag steht als Download bereit, PDF, 122KB). Es geht, kurz gesagt, um die Entscheidung, Systemtheorie sowohl als theoretisches Gerüst für das Thema an sich, aber auch für die empirische Datenerhebung und -analyse zu verwenden. Dabei versuche ich, in Anschluss an einige Überlegungen von Werner Vogd, zu klären, wo die Verknüpfung von Systemtheorie und Empirie sich als schwierig erweisen könnte, und wie diese „Lücke“ unter Rückgriff auf die Netzwerktheorie geschlossen werden kann.